Buddhas Lehre

Buddha hinterliess keine schriftlichen Aufzeichnungen. Seine Ideen und Gedanken wurden erst im Jahre 245 v.Chr. auf dem dritten Konzil von Pataliputra (Indien) im buddhistischen Kanon festgehalten: Dieser Kanon der „Drei Körbe“ (Thai: Traipitaka; Pali: Tipitaka) enthält die Weisungen zur Mönchsdisziplin (Vinaya), die Lehrreden Buddhas (Sutta-pitaka, Sutras) und Ausführungen zur buddhistischen Lehre (Abidhamma-pitaka). Die Mönche überlieferten diesen Kanon mündlich in der Pali-Sprache. Im ersten Jahrhundert v.Chr. wurde er in Sri Lanka erstmals auf Palmblätter aufgeschrieben. Als Behälter für die Manuskripte mögen Weidekörbe gedient haben (daher die „drei Körbe“).

Der Buddhismus nahm auf den Strassen und Wasserwegen Asiens unterschiedliche Gestalten an. Um die Person Buddhas herum bildeten sich mannigfache Geschichten und Legenden. Neben der Pali-Sprache kam mehr und mehr auch die Sanskrit-Sprache für buddhistische Texte in Gebrauch. Der Buddhismus passte sich immer wieder den örtlichen Gegebenheiten an und nahm religiöse Ideen der jeweiligen Zeit auf. Der Grundgehalt der Lehre aber blieb erhalten. Sie ist in den sogenannten „Vier Edlen Wahrheiten“ des historischen Buddhas zusammengefasst:

1. Alles ist Leiden (dukkha, wörtlich Kummer oder Elend, weiter gefasst Leiden, Unvollkommenheit, Unbeständigkeit, Nichtigkeit): Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Zusammensein mit Ungeliebtem, Trennung von Geliebtem, Konflikte, soziale Unrast, Kriege, Hunger. Das ist so, weil Glückserfahrungen unbeständig sind und weil jedes Leben einem unablässigen Wandel unterworfen ist. Das Leiden entspricht der Defizit-Erfahrung des Menschen.

2. Die Ursache des Leidens ist der Lebensdurst (Trieb, Begierden, Verlangen, Festhalten an der vergänglichen Welt). Solches „Anhaften“ führt von Wiedergeburt zu Wiedergeburt. Nicht nur sinnliches Verlangen, sondern auch der Wunsch nach einem langen Leben, ja selbst das Streben nach dem Verlöschen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten löst dieses Leiden aus.

3. Das Leiden kann nur durch die totale Vernichtung des Lebensdurstes aufgehoben werden. Der Geist befreit sich von den Fesseln des Hasses, der Gier und der Verblendung.

4. Zur Vernichtung des Lebensdurstes begeht der Buddhist den achtfachen Pfad:

– rechte Erkenntnis (Erkennen der Dinge wie sie wirklich sind, Einsicht in die „Vier Edlen Wahrheiten“)
– rechte Gesinnung (Gedanken selbstloser Entsagung, Liebe und Gewaltlosigkeit entwickeln, die Vernichtung von Begierde, Hass, Gewalt)
– rechte Rede (Aufrichtigkeit, nicht lügen, nicht schimpfen, nicht verleumden, kein hohles Geschwätz)
– rechtes Tun (Streben nach einem sittlichen, ehrenhaften, friedfertigen Verhalten; Enthaltsamkeit von Töten, Stehlen, betrügerischen Geschäften und schädlichem Sexualverhalten)
– rechter Lebensunterhalt (Ausübung eines ehrenwerten Berufs, der keinem Lebewesen schadet, beispielsweise keinen Handel mit todbringenden Waffen und berauschenden Substanzen betreiben, kein Töten von Tieren, keine Arbeit als Söldner)
– rechte Anstrengung (Entwicklung eines starken Willens, um unheilsame Geistesverfassungen nicht aufkommen zu lassen und gute und heilsame Geistesverfassungen zu verstärken)
– rechte Achtsamkeit (oder Aufmerksamkeit, heisst besonnen, aufmerksam und unermüdlich die körperlichen Vorgänge, Gefühle, Tätigkeiten des Geistes, Vorstellungen, Gedanken, Begriffe und geistige Dinge zu beobachten und zu kontrollieren)
– rechte Sammlung (Üben und Entwickeln der Meditation mit dem Ziel, die vier Stufen der Versenkung zu erklimmen, Erlöschen aller Emotionen, reines Glück).

Das Ziel dieses Weges ist letztendlich das Nibbana (Thai: Niphahn; Sanskrit: Nirwana), also das Verlöschen im Unendlichen, die Erlösung aus dem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen, der unendliche Frieden. Er wird erreicht, wenn die drei Grundübel Nichtwissen, Begierde und Hass erlöschen, also im Moment der „vollkommenen Erkenntnis“ (und nicht erst mit dem Tod).

©Josef Burri