Fragen und Antworten

Was machen eigentlich die Mönche in Gretzenbach den lieben langen Tag?
Die Mönche stehen in der Regel früh auf, so um 6 Uhr. Mahlzeiten nehmen sie zweimal am Tag zu sich, morgens um 7 Uhr ein Frühstück und um 11 Uhr das Mittagessen. Nach 12 Uhr sind keine festen Speisen mehr erlaubt bis zum nächsten Sonnenaufgang. Sie dürfen nur essen, was ihnen von den Laien angeboten wird. Da die Buddhisten in der Schweiz, egal ob sie aus Thailand oder anderen Ländern kommen, sehr grosszügig sind, müssen die Mönche nicht hungern.
Die Mönche rezitieren täglich einzelne Abschnitte der Lehre (so genanntes Chanting). Sie tun das in einer Art Sprechgesang. Wer bestimmte Abschnitte aus der überlieferten Lehre auswendig gelernt hat, erhält einen höheren Mönchsrang. Das geht auf die Zeit zurück, als die Lehre noch nicht schriftlich festgehalten war.
Daneben meditieren die Mönche, legen die Lehre Buddhas für die Laien aus, beraten Menschen in schwierigen Situationen und machen Hausbesuche anlässlich von Geburten, Geburtstagen, Hochzeiten, Hauseinweihungen und Todesfällen.

Dürfen die Mönche die ihnen anvertrauten Gelder behalten?
Die Mönche erhalten oft Sach- und Geldspenden. Einen Teil des Spendengeldes liefern sie dem Tempel ab; über einen anderen Teil können sie frei verfügen, aber nur bedingt für eigene Bedürfnisse wie Handys, Computer und dergleichen. Solche Ausgaben müssen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen. Manche Mönche reichen das Geld auch weiter, beispielsweise für die Aus- und Weiterbildung von jungen Mönchen.

Oft hören wir den Begriff „Tham buhn“. Was ist darunter zu verstehen?
Gutes tun und damit Verdienste für sein Lebenskonto erwerben, das ist mit „Tham buhn“ gemeint. Darunter fallen nicht nur Geldspenden an den Tempel, sondern auch Arbeitsleistungen für die Gemeinschaft oder Sachspenden für soziale Einrichtungen. Auch eine milde Gabe an Bettler, Behinderte, arme Kranke oder Kinder aus finanzschwachen Familien zählt als gute Tat. Viele vermögende Thai wollen auch „grosse“ Werke vollbringen, beispielsweise eine Buddha-Statue oder gar einen Tempel finanzieren. Ihre Namen werden dann auf einer für alle sichtbare Tafel angeschrieben. Doch entscheidend ist das nicht. Auch eine Leistung im Stillen trägt ebenso – oder sogar noch mehr – zur Verbesserung des Karmas bei.

Bei gewissen Spendenzeremonien schmücken die Thai kleine künstliche Bäumchen mit Geld. Was hat das zu bedeuten?
Diese Art von Spende heisst Thod Phapa (Thood Phaa Paa), was wörtlich übersetzt heisst: Roben für den Wald überreichen. Warum sich die Gläubigen eine solche Mühe mit den künstlichen Bäumchen und dem Anheften der Geldscheine geben, hängt mit einer Buddha-Legende zusammen: Da es den Mönchen nicht erlaubt war, Geld zu berühren oder anzunehmen (einige Mönche halten noch immer strikt und wörtlich an dieser Regel fest), ersannen die Anhänger Buddhas einen Trick, indem sie Mönchsroben und Geld an ein Bäumchen hängten und dieses dem Buddha oder einem hoch stehenden Mönch überreichten, damit er oder ein dafür eingesetztes Laiengremium mit dem daran befestigten Spendengeld die nötigen Ausgaben für den Tempel bestreiten konnten. Eine solche Spendenzeremonie kann während des ganzen Jahres durchgeführt werden, im Gegensatz zur ähnlichen „Thoot-Kathin“-Spende, die nur einmal pro Jahr und pro Tempel, nämlich nach der buddhistischen Fastenzeit, möglich ist. Bei solchen Zeremonien erhalten die Mönche eines Tempels neue Mönchsroben von den Gläubigen geschenkt. Manchmal wird das Bäumchen samt einer Mönchsrobe und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs in einen Plastikkübel gestellt.

©Josef Burri