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  • Die Bildnisse Buddhas

    Der Buddhismus spielt eine grosse Rolle in Thailand und bestimmt sogar die Einstellung zum Leben. 95 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Wer also die Thais in ihrer Denkweise verstehen möchte, muss sich auch zwangsläufig mit dem Buddhismus beschäftigen. Für uns besteht die Schwierigkeit darin, das jedes buddhistische Land im Laufe der Zeit eine Art "nationale Individualität" des Buddhismus hat, die natürlich auch mit Stolz nach aussen präsentiert wird. Somit wird z.B. ein Europäer unterschiedliche Formen des Buddhismus kennen lernen, wenn er verschiedene buddhistische Länder, wie z.B. Japan, China oder Thailand besucht.Wir werden uns aber nicht mit den landestypischen Eigenarten des Buddhismus auseinandersetzen, dazu müsste man ein ganzes Buch verfassen, sondern in erster Linie beschäftigen wir uns nur mit einem Teil des thailändischen Buddhismus, so wie er sich im Alltagsleben präsentiert: mit den Bildnissen Buddhas.

    Wie alles begann

    Seit über 2000 Jahren werden Buddha-Statuen, die ersten wurden wahrscheinlich in Indien hergestellt, in Stein gemeisselt, aus Holz geschnitzt, aus Ziegelsteinen gefertigt und mit Gips überzogen, aus Bronze, Kupfer und Gold gegossen sowie aus Elfenbein geschnitzt und aus Halbedelsteinen gefertigt. Unzählige Malereien und Kunstwerke zeugen weiterhin für die grosse Verehrung Buddhas und seiner grossen Inspiration, die in die grosse Kunst und Kultur Südostasiens einfloss. Mit den Buddha-Bildnissen will man jedoch, entsprechend der Hinayana-Lehre, nicht die Person darstellen oder vergöttern, sondern an die Lehre erinnern und Gläubige inspirieren.

    Obwohl sich die künstlerischen Stilrichtungen und technische Möglichkeiten im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben, ist die Darstellung von Buddha, dem Erleuchteten, noch immer an strengen Regeln aus der überlieferten indischen Kunst orientiert. Die ersten Buddha-Abbildungen in Siam sind wahrscheinlich unter dem Einfluss Sri Lankas entstanden.

    In Sri Lanka fand man auch Darstellungen eines Ur-Buddhas; so jedenfalls die Bezeichnung. Dabei sind z.B. die Arme Buddhas vor der Brust gekreuzt und die Hände umschliessen eine Glocke und den Donnerkeil. Der Donnerkeil ist symbolisch auch in Tibet und Nepal bekannt, und soll einst eine furchtbare Waffe der Götter gewesen sein. Es soll die Vereinigung des westlichen Prinzip darstellen. Eine andere Darstellung zeigt Buddha im Lotussitz mit über den Knien ausgestreckten Händen. Auf der linken Hand das Symbol der Sonne und auf der rechten das Symbol des Mondes.

    Kennzeichen Buddhas

    Um Buddha gegenüber normalen Menschen zu unterscheiden, wurde im Laufe der Jahrhunderte die Darstellung von Buddha religiösen Regeln unterworfen. So wurden für jede Buddha-Figur oder Abbildung folgende Merkmale festgelegt, die bis heute gelten:

    Alle Finger an den Händen und alle Zehen an den Füssen sind gleich lang.

    Die Ohrläppchen reichen bis auf die Schultern.

    Das Kopfhaar ist eng gekraust.

    Beim stehenden Buddha reichen die Hände bis zu den Knien.

    Die Körperform ist weich und elegant, so das man Buddha geschlechtsneutral darstellt.

    Kurze Historie zur Herstellung von Buddha-Figuren

    In früherer Zeit gab es noch keine modernen Stahlformen für die Metallgiesserei, die man immer wieder neu verwenden konnte. Doch man half sich damit, dass man ausgeklügelte Methoden entwickelte, um jede gewünschte Form doch auch in Metall giessen zu können.

    Diese traditionelle, alte Fertigungsmethode nannte man die Form des verlorenen Wachses. Es war, für heutige Massstäbe, eine sehr aufwendige Technik. Zunächst wurde die Figur in einer Art roter Tonerde (din dääng) geformt und getrocknet. Danach wurde sie mit einer dicken Schicht Bienenwachs bedeckt. Die Wachsschicht musste exakt die Form der unterliegenden Tonfigur haben. Eine zeitraubende Arbeit.

    Nachdem auch das Wachs einen bestimmten Härtegrad hatte, wurde auf ihn eine weitere Schicht Ton aufgetragen, die sich wiederum genau der Form der Wachsschicht anpassen musste. Man hatte also praktisch drei identische Figuren geformt und sie übereinander geschichtet. Dann wurde die aus drei Schichten bestehende Figur im Ofen gebrannt. Dabei erhärteten sich die Tonschichten vollständig, das Bienen wachs verflüssigte sich und floss aus kleinen Öffnungen heraus, die man, nachdem das Wachs vollständig abgeflossen war, wieder leicht schliessen konnte. Daher also der Name der Fertigungsmethode Form des verlorenen Wachses.

    Der so zwischen den Tonschichten entstehende Zwischenraum wurde mit flüssigem Metall gefüllt. Meistens wurde dafür Zinn und Kupfer verwendet, gelegentlich aber auch nak, eine spezielle Legierung die aus 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Gold bestand. Dan gab es noch eine weitere spezielle Legierung, die man thong samrit nannte. Diese bestand aus Gold und einer Vielzahl von anderen Metallen. Nachdem sich die Legierung erhärtet hatte, wurde die äussere Tonschicht zerschlagen, und es kam die frisch gegossene Figur zum Vorschein. Die innere Tonschicht wurde sehr oft wegen der Gesamtstabilität in der Figur belassen.

    Separat zur Figur wurde die sogenannte Haarkrone des Buddha gegossen, auf thailändisch hat sie die Bezeichnung yot, die wie eine Art Flamme von der Scheitelspitze ausgeht. Sie wurde anschliessend an der Figur angebracht.

    Danach erfolgte als letzter Arbeitsgang das Polieren der Figur auf Hochglanz, wobei meistens die traditionellen, orangfarbenen Tücher verwendet wurden. Orange ist die heilige Farbe der Buddhisten und die der Kleidung der Mönche. Oft wurde diese Arbeit von Mönchen vorgenommen. Manche Mönche arbeiteten, insbesondere in früheren Zeiten, oft auch als Handwerker.

    Jede einzelne Herstellung einer Figur wurde in früheren Zeiten auch mit einem buddhistischen Ritual begleitet. Während der Fertigung mussten die Handwerker z.B. ganz in Weiss gekleidet sein, und die entstehende Figur wurde sogar von allen Seiten durch einen Wandschirm aus weissem Tuch vor neugierigen Blicken geschützt. An den vier Ecken des Wandschirms kniete je ein Mönch, und diese vier Mönche segneten den Arbeitsvorgang nach Leibeskräften. Soweit die technische Seite der Herstellung von Buddha-Figuren in der Vergangenheit.

    Heutzutage

    Auch heute noch werden Buddha-Abbildungen aus den unterschiedlichsten Materialien in durch verschiedene Methoden hergestellt. Moderne Stahlformen haben dabei grösstenteils die aufwendige Technik des verlorenen Wachses abgelöst. Es soll aber noch wenige Meister im Land geben, die auch heute noch die traditionelle Herstellung beherrschen und anwenden.

    Wer sich für die Herstellung interessiert sollte sich die Ban Dinso Road in Bangkok aufsuchen. Dort befindet sich der bekannte Brahmanen Tempel Bot Phram. Hinter diesem Tempel, auf der Westseite gelegen, befindet sich eine Buddha-Fabrik. Die Öffnungszeiten sind unregelmässig, der Eintritt frei. Hier erhält man die beste Gelegenheit, den Arbeitern bei der Anfertigung von Buddha-Figuren zuzuschauen. Die meisten der hergestellten Figuren werden aber auf der nahen Bamrung Muang Road verkauft.

    In der Bamrung Muang Road werden sehr viele Buddha-Figuren produziert und verkauft. Hier kann man zusehen, wie die gold- oder bronzefarbenen Metall-Buddhas hergestellt werden, die später die Tempel des ganzen Landes zieren: sitzende Buddhas (Phra nang), stehende Buddhas (Phra yün) und liegende Buddhas (Phra non). Die meisten werden heute aus Messing in fertigen Formen gegossen und anschliessend, nach Bedarf, auch mit Gips überzogen und angemalt. Auch heute noch werden alle hergestellten Buddha-Figuren von Mönchen gesegnet. Die schönsten geschnitzten Buddha-Figuren aus Holz findet man weiterhin nur in Nord- und Nordostthailand. Raritäten und deshalb besonders beliebt und kostbar sind kleine Figuren aus Jade, Elfenbein, Silber und Gold.

    Zukunft

    Es gibt sogar schon einen modern anmutenden Buddha, von den Thais maitreya genannt. Der maitreya sitzt in einer "westlichen" Haltung, wobei beide Beine nicht mehr angewinkelt sind, sondern herabhängen, als wenn er auf einen Stuhl sitzen würde.

    Respekt vor Buddha!

    Der Buddhismus und jede andere Religion sind in Thailand durch das Gesetz geschützt, und der König ist der Schutzherr eines jeden Glaubens. Eine Handlung, die eine Religion beleidigt, kann mit Geldbussen und Gefängnisstrafen geahndet werden. Man erwartet hier die gleiche Achtung jeder Religion, wie auch ein thailändischer Gast in Europa deren Religionen achtet.

    Wenn man als Gast in Thailand ist und sich wenig mit dem Buddhismus vertraut gemacht hat, mag man über den alltäglichen Buddhismus im Leben der Thais etwas verwundert sein. Ja, manches scheint uns sogar für übertrieben. Als Gast sollte man aber den Buddhismus respektieren, akzeptieren und miterleben, um auch die Thais besser verstehen zu können. Zum alltäglichen Leben gehört für die Thais die Teilnahme Buddhas an ihrem Leben.

    Schwerwiegende Handlungen sind z.B. das Besteigen von grossen Buddhas, um einen Schnappschuss zu machen. Aber auch das mutwillige Zerstören einer Buddha-Abbildung, das vorsätzliche Stören einer religiösen Versammlung oder das Verunglimpfen von Mönchen gehört zu den übelsten Vergehen, dessen man sich schuldig machen kann. Umgekehrt kann man sich ja auch kaum vorstellen, dass ein Tourist oder Deutscher bei uns eine Jesus-Abbildung in der Kirche für einen Schnappschuss besteigt, kirchliche Einrichtungen beschädigt oder gar eine kirchliche Messe stört. Auch ist mir keine Werbung bekannt. Wo Jesus, wenn auch nur im Hintergrund, Werbung macht.

    Verboten ist ebenfalls das Ausführen von Buddha-Figuren jeder Art, es sei denn, man ha entweder eine Genehmigung oder kann die Zugehörigkeit zu einer buddhistischen Religion belegen. Aber auch selbst dann sind hier sehr strenge Richtlinien zu beachten. Da die meisten Touristen solche Statuen nur als Souvenir betrachten und dementsprechend kaum mit gebührendem Respekt damit umgehen, hatte man diese strenge Regel aufgestellt. Wer trotzdem ohne Ausfuhrgenehmigung eine Buddha-Figur mitnimmt, dem kann es passieren, dass sie bei der Durchleuchtung entdeckt und aus dem Gepäck entfernt wird und sogar ein Bußgeld bezahlt werden muss.

    Wer im übrigen eine Buddha-Figur z.B. in seinem Hotelzimmer nicht aufstellt, sondern hinlegt, sollte darauf achten, dass die Statue hoch genug steht, so hoch, dass sie sich möglichst über dem eigenen Kopf befindet. Sollte sie als Souvenir irgendwie ungeschickt platziert sein oder sogar liegen, wird man manchmal verblüfft feststellen, das dass Hotelpersonal die Buddha-Figur irgendwann aufstellt. Sehen und hören werden Sie jedoch nicht, dass ein gläubiger Buddhist die Figur um Verzeihung für die Entgleisung des Gastes bittet!

    Die Merkmale Buddhas

    Im Laufe der Zeit wurden jedoch nicht nur bestimmte religiöse Merkmale für die Darstellung Buddhas festgelegt, sondern es wurden auch, trotz vielfältiger Darstellungen und verschiedener Stilepochen in den letzten Jahrhunderten, bestimmte charakteristische Eigenschaften in den Bereichen Haltung und Gesten festgelegt, die stets von tiefer religiöser Bedeutung sind und bis heute gelten.

    Von besonderer symbolischer Bedeutung ist hierbei Asana, die Körperhaltung Buddhas, und insbesondere Mudra, die Handhaltung Buddhas, zu nennen. Beides gilt als Ausdruck bestimmter Ereignisse und Lebenssituationen Buddhas. Manche sind Yogastellungen ähnlich.

    Kurze Historie

    Schon seit mindestens 2000 Jahren sind den Brahmanen bestimmte Handhaltungen bekannt, die jedoch von ihnen auch unter magischen Gesichtspunkten angewendet wurden. Im Brahmanismus waren den Priestern bestimmte Handhaltungen vorgeschrieben, wenn sie heilige Texte lasen, denn nach ihrer religiöser Auffassung waren Worte und Gebärden untrennbar verbunden.

    Bestimmte Gesten sollten dabei, so der Glaube der Brahmanen, wie ein Zauberstab beliebige Wirkungen und Illusionen hervorrufen können. Gut und Böse trennten sich, weisse und schwarze Magie konnte man dadurch beherrschen. Dazu war höchste Geistes- und Körperbeherrschung notwendig. Die Brahmanen behaupteten von sich, diese Kenntnisse von den alten indischen Göttern erhalten zu haben, und betrachteten sich deshalb auch als die Vertreter oder Söhne der Götter.

    Doch nicht nur den Brahmanen waren solche magischen Rituale bekannt. Im Zusammenspiel von Geist, Körper und Sprache kannten dies z.B. auch die alten Druiden der Kelten. Der sagenumwobene Zauberer Merlin soll sogar eine Art bioenergetische Energie für seine Magie eingesetzt haben. Die indischen Yogas und Fakire sollen es ebenfalls beherrscht haben, und noch heute sollen die Meister es beherrschen. Schon in Altindien nannte man diese Zauberer Siddha (die Vollkommenden). Ihre Macht war gefürchtet und geachtet zugleich, den sie kannten die legendäre kosmische Kraft Teja, ein angebliches fünftes Element. Jeder reiche Fürst hatte einen Siddha am Hof. Betrachtet man einige unglaublichen Leistungen der indischen Yogas, so kann einem ein Schauer über den Rücken jagen, sollte es mal einen höheren Zauberkult in der Vergangenheit gegeben haben.

    Viele Abwandlungen dieser magischen und religiösen Handhaltungen wurden auch in der Gebärdensprache des klassischen indischen und thailändischen Tanzes (z.B. Ramakien) übernommen. Insbesondere beim indischen Tanz, ist es für einen unbelasteten Besucher schwer verständlich den Inhalt bzw. die Bedeutung jeder einzelnen Bewegung zu deuten. Der indische Tanz, so die Legende, soll ebenfalls einst von den altindischen Göttern gelehrt worden sein.

    Asana, die Körperhaltung Buddhas

    Vier mögliche Körperhaltungen Buddhas kennt der buddhistische Glauben:

    Sitzend

    Wohl die bekannteste und häufigste Darstellung Buddhas. Buddha im Lotussitz beim Meditieren. Bei manchen Darstellungen sieht man eine Nagaschlange über ihn. Diese Nagaschlange hiess Muchalinde und war einer der Naga-Könige. Er schützte Buddha während der Meditation vor einem starken Regenguss, wozu er seine fünf (manchmal auch sieben) Häupter fächerartig über Buddha ausbreitete. Die Nagaschlange ist ein halbgöttliches Wesen aus der indischen Mythologie, das in einem sagenhaft schönen Reich in der Unterwelt lebt. Diese Haltung hat drei verschiedene Bezeichnungen in Europa: Diamantsitz, Lotussitz und Meditationssitz.

    Liegend

    Buddha beim Übergang ins Nirwana, mit einer Hand den Kopf stützend. Den berühmtesten Buddha in dieser Stellung finden Sie im Wat Pho in Bangkok.

    Stehend

    Buddha zähmt den wilden Elefanten seiner Feinde, der ihn vernichten sollte.

    Schreitend

    Buddhas Rückkehr zur Erde, nachdem er in den Himmel aufgestiegen war, um seiner Mutter seine Lehre zu verkünden.

    Bei all den Körperhaltungen wird grösster Wert auf die symbolische Handhaltungen, die Mudras, gelegt. Jeder Bildhauer schenkt dem auch seine grösste Aufmerksamkeit. Für uns sind meistens die Bezeichnungen etwas verwirrend. Hier eine Auswahl der bekanntesten Mudras.

    Mudras die Handhaltungen Buddhas
    Dhyana-mudra

    Der in Meditation versunkene Buddha sitz mit gekreuzten Beinen, im Schoss die Hände verschränkt, mit nach oben weisenden Handflächen. Auch Samadhi oder Virasana (Heldenhaltung) genannt.

    Vitarka-mudra

    (auch Dharmachakr genannt) Buddha dreht das Rad der Lehre, des endlosen kosmischen Zyklus, womit an seine erste Predigt nach seiner Erleuchtung im Hirschpark von Isipatana erinnert wird. Eine Hand oder beide Hände sind parallel zum Körper bis auf Brusthöhe angehoben, wobei sich Daumen und Zeigefinger berühren und einen Kreis bilden, der das Rad der Lehre symbolisiert. Das Rad selber ist ein wichtiges buddhistisches Symbol. Früher hatte man nur ein Rad dargestellt. Dies wird auch heute noch in Indien praktiziert.

    Karana-mudra

    Geste der Vollziehung. Zeigefinger und kleiner Finger sind gekrümmt und werden vom Daumen überdeckt.

    Bhumisparsa-mudra

    Diese Handhaltung ist auch das Symbol für Nachsicht und Friedfertigkeit. Buddha sitzt ähnlich wie beim Meditieren, bei dem die Finger der rechten Hand nach unten auf die Erde weisen, während die linke im Schoss liegende hand offen nach oben zeigt. In dieser Stellung soll Buddha vor 2500 Jahren unter einem Bodhibaum im damaligen Nordindien gesessen haben und auf seine Erleuchtung gewartet haben. Als Buddha in Meditation versunken war, erschien Mara, die Verkörperung des Bösen, um die Erleuchtung zu verhindern.

    Zum Zeugen seiner Tugend rief Siddharta Gautama die Erdgöttin Thorani an, indem er mit den Fingerspitzen die Erde berührte. Thoranis Haare waren voller Wasser, denn nach jeder guten Tat opferte Gautama dem Brauch entsprechend der Erdgöttin Wasser. Thorani wrang ihr Haar aus und die Wassermassen spülten Mara und seine bösen Helfer fort. So wurde Gautama zum maravijaya, zum Bezwinger Maras.

    Varada-mudra

    Der Segen gewährende, barmherzige Buddha. Die gleiche Handhaltung wie bei Bhumisparsa. Hier fallen jedoch die Oberarme des stehenden Buddhas seitlich am Körper herab. Die vorgestreckten Unterarme im rechten Winkel dazu halten die Handflächen nach vorn.

    Übergehender Buddha

    Er liegt mit geschlossenen Augen auf seiner rechten Seite und hat seinen Kopf auf die rechte hand gestützt. Diese Stellung zeigt den sterbenden Buddha in dem Moment, wo er von dem Übel der Wiedergeburt erlöst wird und auf den Übergang ins Nirwana wartet. U.a. im Wat Pho, Bangkok, zu bewundern.

    Abhahya-mudra

    Buddha gibt Schutz und Frieden. Geste der Furchtlosigkeit oder Schutzgewährung. Beruhigende, schützende Geste bei der stehenden oder sitzenden Buddha-Figur, meist mit einer Hand, gelegentlich mit beiden Händen. Der Oberarm liegt am Körper, der Unterarm bildet einen rechten Winkel von 90 Grad nach vorne, die Handflächen weisen nach vorne, wobei die Finger nach oben zeigen.

    Die Pflege von Buddha-Statuen

    Nach buddhistischer Überzeugung haben die Menschen die Pflicht, sich um religiöse Buddha-Statuen und -Figuren so zu kümmern, als handle es sich bei ihnen um Mitlebewesen. Deutlich wird dies bei den Buddha-Stauen. Wir empfinden es als Kunstverständnis Bruchstücke uralter religiöser Skulpturen z.B. in Museen aufzubewahren und zu besichtigen. Den gläubigen Buddhisten jedoch wäre dies bei Abbildungen des Erleuchteten unverständlich, auch wenn es natürlich auch Ausstellungsstücke in Museen gibt. Man ist davon überzeugt, das Buddha-Statuen jeglicher Grösse ein individuelles Leben führen.

    Deshalb empfindet ein gläubiger Buddhist für eine beschädigte Buddha-Statue eher Mitleid, und fasst es als seine Pflicht auf, die Beschädigungen mit Zement oder anderen Hilfsmitteln notdürftig auszubessern. Dies ist natürlich nicht als eine alltägliche Aufgabe eines Thai, Ausschau nach beschädigten Statuen zu halten, zu betrachten. Eine unbekannte Zahl von Buddha-Statuen, die man nicht mehr wiederherstellen konnte, wurden bereits im Laufe der Jahrhunderte in Chedis eingemauert, um diesen Statuen eine würdevolle Bestattung zu geben.

    Dies ist auch die eigentliche Funktion der Chedis, es sind im Grunde genommen nichts anderes als Grabkammern. Nicht nur für leibliche Überreste Buddhas wie einzelne Knochen oder Asche, sondern auch für zerstörte bedeutende Buddha-Statuen dienen solche Grabkammern, sofern sie dort reinpassen. Dem buddhistischen Glauben entspricht es, dass die alten buddhistischen Bauwerke einen höheren Stellenwert haben, wenn sie durch Neubauten überbaut werden, als wenn man die alten Reliquien in Neubauten überführt. So soll es u.a. auch mal eine kolossale Buddha-Statue mit dem Namen Sri Sarbejna gegeben haben. Sie war durch Kriege derart beschädigt, dass an eine Rekonstruktion oder Reparatur nicht mehr gedacht werden konnte. Mit einem förmlichen Begräbnis wurde die Statue in einem Grabmal beigesetzt.

    Reparaturen von Buddha-Statuen

    Beschädigte Statuen, die eventuell noch gerettet werden können, versucht man möglichst originalgetreu zu rekonstruieren, und wenn dies nicht gelingt, ist es auch nicht ganz so wichtig, da im Vordergrund steht, die beschädigte Statue soweit herzurichten, damit das körperliche Wohlergehen gewährleistet werden kann.

    Verletzen einer Statue

    So ist es kein Wunder, zu verstehen, dass Buddha-Statuen ihre eigenen Gesetze haben. In der Ayuthaya-Dynastie gab es z.B. sehr strenge Gesetze gegen solche Personen, die sich schuldig machten, einen Buddha-Abbildung zu verletzen. Wer einer Buddha-Statue den Kopf entfernte wurde als Mörder verurteilt. Besonders schwerwiegend war die Zerstörung einer Statue, die mit einem Mal auf der Stirn versehen war. Dieses Mal, das sogenannte dritte Auge, symbolisierte die grosse Weisheit Buddhas. Wer eine Statue beschädigte, wurde des versuchten Totschlags angeklagt. Wer aus Habgier Gold von der Oberfläche einer Statue abkratzte um dieses zum Eigennutz zu verkaufen, wurde ebenfalls des Mordes angeklagt, war doch das Entfernen des Goldes gleichbedeutend mit dem Häuten bei lebendigem Leibe.

    Thailand gehört heute zu den modernen Staaten Südostasiens, dennoch hat sich insbesondere in den ländlichen Gebieten im Glauben kaum etwas geändert. Auch heute gibt es, dass bestimmte Buddha-Statuen belebt sind, über ein Eigenleben und eine besondere Kraft verfügen oder auch Wunder vollbringen können. Natürlich gibt es im heutige Thailand nicht mehr so harte Strafen wie zu Zeiten der Ayuthaya-Dynastie, aber das zerstören oder Beschädigen einer Buddha-Statue wird auch noch heute betraft.

    © Wilfried Stevens, dieser Beitrag wurde exklusiv für den Wat Srinagarin und THAIPAGE Online verfasst.

    Bildnis Buddha

    Buddha-Statue

    Eine Buddha-Statue ist das plastische, meist idealisierte Abbild eines Buddha, meist des Religionsstifters des Buddhismus Siddhartha Gautama. Anikonische Darstellungen sind sehr früh, Bildnisse der Person selbst jedoch erst ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. belegt. Seitdem hat sich eine grosse Kunst- und Formenvielfalt entwickelt.

    Heute sind Darstellungen des Buddha nicht nur im religiösen Leben fast aller buddhistischen Schulen und Formen der Volksreligiosität fest integriert. Sie erfreuen sich darüber hinaus auch grosser Beliebtheit etwa als Modeartikel für Wohnzimmer oder auch Gärten begüterter Menschen weltweit, die sich etwas spirituellen Chic zulegen und ihre Weltoffenheit zeigen wollen. Anikonische Symbole haben dagegen an Bedeutung verloren, wenn auch z. B. das Dharma-Rad in die Nationalflagge Indiens aufgenommen wurde. Wie auch im Christentum so ist im Buddhismus heute meist vergessen, dass Darstellungen des Religionsstifters (noch dazu zu Anbetungszwecken) anfänglich untersagt waren.

    In letzter Zeit werden immer häufiger Köpfe von Buddha-Statuen in trendigen Einrichtungshäusern oder im Versand angeboten. Dies mag den gutgläubigen Betrachter zu der Annahme verleiten, Buddha-Köpfe seien eine eigene Darstellungsform. Die Köpfe wurden jedoch ursprünglich nicht als solche hergestellt, sondern sind immer Teil einer vollständigen Statue. Sie sind entweder im Laufe der Jahrhunderte durch den Einfluss von Wind und Wetter vom Rumpf abgefallen, oder sie wurden mutwillig entfernt, wie es zum Beispiel bei der Eroberung der siamesischen Hauptstadt Ayutthaya im April 1767 durch die Birmanen geschah. Heute werden Köpfe industriell gefertigt, um die weltweit wachsende Nachfrage nach leicht zu transportierenden Dekorationsgegenständen zu befriedigen.

    Quelle: Wikipedia